http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/128-Pflicht-zur-Herausgabe-des-XING-Accounts-bei-Arbeitsplatzwechsel.html#c3073
Der Artikel (und auch der Kommentar von Wolf J. Reuter) verdeutlichen vor allem, wie die Grenze zwischen Privat- und Arbeitsleben immer stärker verwischt.
Gab es früher noch ein privates und ein (wechselndes) geschäftliches E-Mail-Postfach (das in der Regel auch nur während der Arbeitszeiten verfügbar war/ist), so gibt es heute immer häufiger EINEN Account bei sozialen Netzwerken wie Xing oder Facebook. Und der ist rund um die Uhr nutzbar.
Ein Trennung zwischen privater und geschäftlicher Nutzung wird hier schwierig und in Zukunft auch noch schwieriger werden. Selbst wenn man versucht das auf einzelne Kontakte runterzubrechen.
Wenn ich zum Zeitpunkt des Arbeitsverhältnis bereits bestehende Kontakte dann über Xing auch in geschäftlichen Zwecken anspreche, oder umgekehrt mich mit geschäftlichen Kontakten auch mal auf ein Bier verabrede und zur Verabredung eine Nachricht über Xing verschicke, könnte man im Nachhinein allenfalls noch versuchen einzelne Nachrichten nach privat oder geschäftlich zu klassifizieren. Aber auch in einer einzelnen Nachricht kann man ja theoretisch private und geschäftliche Belange besprechen.
Früher hätte man dann vielleicht gesagt: "Wir tauschen jetzt mal unsere privaten Telefonnummern aus.", bzw. "Ich geb dir mal meine geschäftliche E-Mail-Adresse."
Sowas wird unmöglich, wenn ich nur einen Facebook- oder Xing-Account habe.
Oder anders formuliert: Es gibt immer mehr Fälle, in denen ein Kontakt aus privater, wie auch aus geschäftlicher Motivation gepflegt wird. Soziale Netzwerke haben diesen Effekt verstärkt, bzw. oft erst möglich gemacht.
Xing ist dazu noch spezieller - um auf die im Artikel angesprochenen verschiedenen Profilszenarien einzugehen. Die meisten werden dort nicht private Adresse und geschäftliche E-Mail oder umgekehrt hinterlegt haben, sondern Adresse, Telefon, E-Mail, Website-Links jeweils einmal privat und einmal geschäftlich hinterlegen. Noch dazu schreiben viele ihren Lebenslauf inkl. vorheriger Arbeitgeber in ihr Profil.
Oft habe ich auch schon den Fall mitbekommen, dass ein Xing-Account schon vor einem Arbeitsverhältnis bestand, aber der Arbeitgeber für die Dauer das Arbeitsverhäktnisses die Kosten übernommen hat.
Es ist nachvollziehbar und legitim, wenn Arbeitgeber Anspruch auf geschäftliche Kontakte und Korrespondenz erheben. Nur wer entscheidet, was hier in den Interessensbereich des AG fällt, und darf der AN dann bestimmte Nachrichten, die auch private Teile haben, nicht für sich nutzen?
Aber einen ausgeschiedenen Arbeitnehmer zu zwingen einen ganzen Account herauszugeben, bzw. im Rahmen eines Wettbewerbsverbots die Kontaktaufnahme zu gewissen Kontaken zu untersagen, kann in Zukunft nur noch in sehr speziellen Einzelfällen (Account wurde nach Weisung des AG angelegt und nur dementsprechend genutzt) als legitim betrachtet werden. Auf die Spitze getrieben, würde dies bedeuten, dass ich mit bestimmten Personen nicht mehr befreundet sein darf. (Die Definition des Wortes 'Freund' überdarf in diesem Zusammenhang auch einer Generalüberholung und feineren Abstufung, aber das soll jetzt hier nicht Thema sein.)
Ich will nicht - wie im Artikel auch richtig angedeutet - von der Notwendigkeit neuer Gesetzgebung sprechen, aber die Rechtsprechung steht hier in der nächsten Zeit eindeutig vor einer großen Herausforderung. Das haben wir ja auch schon bei vielen anderen Themen rund um Netz und Kommunikaton im Netz (mitunter: leider) erleben dürfen.
Als weitere Anregung möchte ich auch den folgenden Artikel empfehlen, in dem es um die Frage geht, ob man Twitter lieber aus dem Bauch heraus, oder lieber aus dem Kopf heraus nutzt und in dem u.a. auch die Rede von Stefan Keuchel ist, der unter einem Account sowohl als Familienvater, als auch als Pressesprecher von Google Deutschland twittert.
http://werbeschaf.blogspot.com/2009/05/kopf-twittern-gegen-bauch-twittern.html
Wie xbg schon schreibt, ist auf vielen Videos erkennbar, dass an der jeweiligen Position des Filmers vergleichsweise viel Platz herrscht. Im ersten Moment scheint es schwer verständlich, warum die Menschen am Rand der Knäuel nicht von der Masse wegrücken, um das Ganze zu entzerren. Vermutlich ist aus einigen Metern Entfernung schon nicht mehr erkennbar, dass dort (hier also an der Treppe und am Baucontainer) eine enorme Platznot herrscht. Es wird so wirken, als wollten die Leute in erster Linie aufs Gelände, und weniger aus der Menge raus. Es würde mich nicht wundern, wenn dies auch zumindest anfänglich der Grund gewesen ist, weshalb Menschen diese Wege gesucht haben.
In dem knapp 10-minütigen Video sieht man bei 5:37, nach der angesprochenen Überblende, wie Menschen an der Plakatwand mit den Armen in Richtung der Rampe und des Gelände-Eingangs wedeln. Vermutlich wollen sie die Menschen auffordern in diese Richtung zu gehen, um den Druck aus der Masse zu nehmen.
Aber dies sind vermutlich eben diese schwer nachzuvollziehenden Mechanismen, die in solchen Massen entstehen. Und eben der Grund, warum so etwas einer anspruchsvollen und v.a. funktionierenden Steuerung durch Polizei und Ordnungskräfte bedarf. Die es hier offentsichtlich nicht gegeben hat.